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Der Malayaka Haus Blog

 

16

Feb 2016

Eine Vision wird Realität

Kigungu ist ein kleines Fischerdorf am Rande von Entebbe. Von der Stadt aus geht einmal rundum den Flughafen und nach einer Fahrt mit wundervoller Aussicht befindet man sich plötzlich in einem ganz anderen Umfeld.
Nach einer kurzen Weiterfahrt über löchrige Straßen und begleitet von unzähligen winkenden Kindern geht es runter zum Wasser – ans Ufer des Viktoriasees. Der Wagen hält an einer Toreinfahrt. Das große Tor, welches umringt ist von einer beeindruckenden Betonmauer öffnet sich und was folgt, ist unheimlich beeindruckend, beinahe atemberaubend.

Kigungu ist für das Malayaka Haus seit Jahren ein Begriff, denn hier liegt das Stück Land, dass wir unser Eigen nennen dürfen. Nachdem eher halbherzig zu Beginn hier und da Pläne verfolgt wurden, um das Land zu bewirtschaften, gibt es seit 2015 ein größer angelegtes Projekt. Das große Ziel ist es, das Haus eigenständig mit Nahrung zu versorgen. Und so wurde bereits im vergangenen Jahr jede Menge erreicht. Doch was seit Oktober hier passiert ist, war kaum zu glauben. Mir ist bewusst, dass dieses Projekt sehr ehrgeizig verfolgt wird, dass wir in den Gärten an unseren Häusern in Entebbe unheimlich viel anpflanzen und testen, um dann in Kigungu bestmögliche Qualität anzubauen und das viele Hände im Einsatz sind, um unsere Ziel zu verwirklichen. Doch das, was sich heute hinter den Mauern befand, haut einen einfach um.

4 große Abschnitte hat das Land mittlerweile. Und diese sind nun eingezäunt. Bei der Anzahl an Hunden auf dem Gelände nicht verwunderlich. 2 Abschnitte liegen in der prallen Sonne.IMG_7145 (FILEminimizer) Hier wird derzeit noch am Bau eines gigantischen Gewächshauses gearbeitet. Dort soll es dann Tomaten und Salat geben. Kürbisse wachsen überall schon IMG_7152 (FILEminimizer)jetzt. Zudem steht auf der Sonnenseite das andere Gewächshaus mit den Fischteichen. Hier gibt es den in Uganda beliebten Tilapia und eine Karpfensorte. 8 Wasserbecken säumen das Haus. Am Rande des Zaune stehen mittlerweile 4 Häuser – eine Küche, eine Werkstatt, mehrere Aufenthaltsräume und ein Lager.
Die Nordseite bietet mehr Schatten, dort sollen Kaffee, Bananen und Obstbäume wachsen. Die ersten Exemplare sind bereits in der Erde. Zudem gibt es unterschiedliche Salatsorten, die bereits seit geraumer Zeit wachsen.
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Die gesamte Anlage, inklusive der Türme, die mit ihren Wassertanks die Pflanzen versorgen, ist gigantisch und direkt am Wasser gelegen, so dass es nur Pumpen bedurfte, um das Wasser auf das Grundstück zu leiten. Demnach ist der Boden unheimlich fruchtbar und die Ausbeute und Ernte ein Segen für unsere Vorhaben. Denn schon bald soll es losgehen und statt Einkäufe und Bestellungen gibt es demnächst Essen aus eigenem Anbau. Eine Kostprobe gab es schon diese Woche aus dem Garten als wir unseren ersten eigenen Salat zubereiteten. Und was soll man sagen – köstlich ist gar kein Ausdruck – die unterschiedlichen Salatsorten besitzen eine derartige Intensität, dass sie allein kaum genießbar wären, aber zusammen einen kulinarischen Hochgenuss ergeben.

Wenn man die letzten Jahr verfolgt hat, welche Entwicklungen Kigungu genommen hat, dann mag einfach nicht glauben, was daraus geworden ist. Ich war komplett sprachlos.

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14

Feb 2016

Alte Gefährten – neue Wege

Als wir das Schulgebäude der Merryland Secondary School verlassen atmet Gloria einmal ganz tief ein und gibt ihrer Fassungslosigkeit und Dankbarkeit freien Raum. Wir haben es geschafft, sie ist angemeldet und wird ab sofort auf ihre Wunschschule gehen dürfen. mercy

Gloria und Mercy sind beide ehemalige Schüler der Early Learning School. Als ihre Grundschulzeit vorüber ist, wechseln beide in das deutsche Schulprojekt, die Victorian High School. Ich selbst bin nur durch dieses Projekt auf Uganda gekommen. Nach nunmehr 3 Jahren ihrer Schulzeit dort mehren sich die Schwierigkeiten und ihre Paten springen ab, die wir zu Anfang finden konnten, um ihnen die Schulkarriere überhaupt zu ermöglichen. Während Mercy zumindest noch eine Familie hat, ist Gloria gänzlich ohne Bindung und wohnt weiter bei Agnes auf dem Schulgelände der Early Learning Grundschule. Für beide war der Oktoberbesuch meinerseits nicht einfach, denn ich musste ihnen mitteilen, dass es keine Unterstützung mehr gibt und ab dem neuen Jahr sei es sehr wahrscheinlich, dass sie nicht mehr in die Schule gehen können. Mit 15 rein ins Leben, ohne Perspektive, Ausbildung und Hoffnung auf ein besseres Leben.

Doch die Monate danach entwickelten sich unter einem guten Stern für beide. Wir fanden Wege der Finanzierung und neue Paten, die bereit waren, das Schulgeld für beide unter sich aufzuteilen. Wenige Tage nach Gloria fuhr ich gemeinsam mit Mercy ein Stück raus aus Entebbe. Ihre Wunschschule liegt außerhalb der Stadt, ruhig und abgelegen, mit Blick auf die hügelige Landschaft rundherum. Auch Mercy ist überglücklich und auch wenn alles nicht einfach zu organisieren ist, wenn die Anmeldung eine gefühlte Ewigkeit dauert, die Fahrt zu den Schulen nicht enden will – am Ende steht für die beiden, die mich seit Jahren hier begleiten, wieder ein Weg offen. Alle, die daran beteiligt sind, sei ein großer Dank ausgesprochen. Es ist keine Selbstverständlichkeit und dennoch bedeutet es für die 2 alles, denn nur so haben sie eine echte Chance ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und an den gestellten Aufgaben zu wachsen und nicht an der viel zu hohen Mauer zu verzweifeln, die sich vor ihnen auftürmt.

Und auch im Malayaka Haus ist dies ein großer Teil unserer Aufgabe. Hier sind es nunmehr über 40 Kinder Kinder, denen wir auch ein ähnliches Glück zukommen lassen möchten. Ein Schuljahr für ein Kind kostet zwischen 700 und 1000€ Schulgebühren. Wer uns helfen möchte, dieses Ziel auch in den kommenden Jahren zu erreichen und unseren Kindern hier eine gute Schulausbildung zu ermöglichen, der sei herzlich eingeladen Monatsspender zu werden.
Unter malayaka-haus.de findet ihr unsere Kontoverbindung und Kontaktdaten. Wir freuen uns über Deine Unterstützung!

 

11

Feb 2016

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Von schottischen Königen und italienischen Fabrikaten

Es ist eine beeindruckende Szene im Film “der letzte König von Schottland” als der junge, naive weiße Arzt sich in seinen Anfangstagen genau da einfindet, wo sich der neue Präsident und Schreckensherrscher Idi Amin in der Menge badet. Nun bin ich kein Arzt und der derzeitige Präsident nicht Idi Amin, sondern ein weit gealterter Politiker, der sein Land seit einer gefühlten Ewigkeit regiert, doch die Massen, die sich einfinden an diesem Tag auf dem Marktplatz, umhüllt von schwergewaffnetem Militär, wartend auf ihren Staatsmann Nummer 1 erinnern stark an jedes Bild aus dem Film. Und es steht für so vieles, was von Beginn an anders ist in diesen Tagen in Entebbe. Alles dreht sich rund um die Wahl, die in einer Woche stattfindet. Alle unterhalten sich darüber, überall kleben die Wahlplakate, die Zeitungen sind voll von den unterschiedlichen Meldungen und selbst und sere Kinder IMG_7130 (FILEminimizer)interessieren sich für Politik und debattieren fleißig. Und mehr noch, sie lassen sich nicht schocken -sie gehen einfach drauf los und sind selbst auf dem Marktplatz zu Gange. Schließlich sind alle Ugander aufgefordert zu kommen und endlich ist mal wieder was los, denn die Wahlen verschieben die eh schon viel zu langen Ferien um weitere 3 Wochen.

Und da sind sie wieder – diese Wahlen, die alles verändern. Denn auch das gängige Briefprojekt hat plötzlich ein unvorhergesehene Problem zu überstehen. Es ist niemand da. Die Schulen sind verwaist, die Kinder bei ihren Familien auf den Dörfern oder anderswo in Sicherheit. Ich werde den größten Teil gar nicht sehen und daher keine Briefe übergeben oder mitnehmen können. Ein Postbote ohne Briefkästen ist eben nur ein Trottel mit jeder Menge Papier im Rucksack und so muss es erstmals der Postweg richten. Kann man nur gespannt sein, ob das Paket jemals ankommen wird.

Aber so ist man eben mehr im Haus beschäftigt. Seit Dienstag bin ich wieder in Uganda, so sind mittlerweile 3 intensive Tage rum und heute wartet alles wieder auf die Pizza-Nacht und das in neuem Gewand. Denn wir sind umgezogen und haben unser Gelände erweitert. Haus 5 und 6 sind nun fertig und das neue Restaurant-Domizil bezogen. Während im Garten hinter den Häusern alles prächtig wächst und in den schönsten ugandischen Farben blüht, wird vorne fleißig Teig vorbereitet und der neue Platz für unsere Besucher ist einzigartig – größer, gemütlicher und vor allem getrennt von den Kindern, die nun mehr Privatsphäre genießen.

Was soll man angesichts dieser Aussichten und bei 30 Grad purem Sonnenschein schon über die Auswirkungen der Wahlen schimpfen – dann bleiben wir eben zuhause und genießen die freien Tage mit allen zusammen.

 

14

Dez 2015

Ein Märchen feiert 10jähriges

Es ist der 13. Dezember 2005. Irgendwo in Afrika wird ein Kind geboren. Seine Geschichte wird noch Jahre danach Menschen auf aller Welt bewegen. Denn Malayaka würde heute nicht leben, wenn es nicht der König Zufall so wollte, dass Robert Fleming die werdende Mutter ins Krankenhaus begleitete. Nur dadurch wusste überhaupt jemand von der Geburt. Die geistig verwirrte Mutter hätte Malayaka verstoßen, Robert aber fand das Neugeborene und nahm es bei sich auf.
Was folgte war ein modernes Märchen inmitten des wunderschönen Landes Uganda. In der selbsternannten Perle Afrikas fanden in den Folgejahren noch weitere Kinder Platz im Waisenhaus, welches seit seiner Entstehung den Namen des Kindes trägt, dass mit seiner Geburt den Beginn einer sagenhaften Geschichte darstellt.

Heute, genau 10 Jahre später wohnen in dem Haus 44 Kinder. Aus einem Haus wurden 6 Häuser, aus einem Waisenhaus wurden ein Haus mit einer Pizzeria, einem Gästehaus, einer Schneiderei, einer Käserei und einem Ort der Bildung, des eigenen Anbaus und der Vernetzung von Projekten in der Umgebung mit dem Ziel Arbeitsplätze zu schaffen und zu vermitteln.

12347827_10153666543501550_3904481829805996363_nEs ist ein Wink des Schicksals, dass es 10 Jahre nach Malayaka wieder ein Säugling ist, der die Geschichte des Märchens erweitert. Patricia kam vor einiger Zeit zu uns. Ihre Mutter starb bei der Geburt. Sie selbst wog gerade mal 1 Kilo. Erst wenige Tage auf der Welt und schon wurde sie in eine neue Familie gesteckt – ihre einzige Überlebenschance war das Malayaka Haus. 43 Kinder, 5 Aunties (Betreuerinnen), zahlreiche Freiwillige und unendliche Stunden des Wartens und Bangens waren nötig, um den kleinen Knopf am Leben zu erhalten. Mit unglaublichem Stolz und voller Freude können wir nun den 3. überstandenen Monat feiern und Patricia lebt. Und mit ihr 3 weitere Kinder, die dieses Jahr ganz frisch in die Familie aufgenommen wurden. Weitere sollen folgen!

Diese und mittlerweile 43 weitere kleine Märchenfiguren sind es, die unsere Arbeit sinnvoll erscheinen lassen. Heute feiern wir den 10. Geburtstag unseres Hauses und unserer Familie.

Wir bedanken uns bei Robert Fleming für seinen Mut eine Entscheidung für sein Leben getroffen zu haben, die uns alle bis zum heutigen Tag beeinflusst. Unser Dank gilt den unglaublichen Aunties, die tagtäglich seit Beginn an für die Kinder da sind und jede Veränderungen und Neuentwicklung mitmachen. Auch gilt unser Dank den zahlreichen Freiwilligen aus aller Welt, die sich auf den Weg machten das Märchen mit eigenen Augen zusehen und mitzuhelfen, den Kindern ein neues Leben zu ermöglichen. Und zu guter Letzt, aber ganz besonders herzlich bedanken wir uns bei den Spendern und Unterstützer weltweit, die unsere Arbeit erst ermöglichen und ihre Herzen öffnen für ein Haus voller besonderer Schicksale und Kinder, die sich gerne Herausforderungen stellen.

Happy Birthday Malayaka Haus!

Unsere Arbeit geht weiter! Wer die Arbeit des Malayaka Haus unterstützen will, kann dies tun. Über diesen Link kommt ihr auf unserer Homepage zu unserem Spendenkonzept! Es müssen hierbei keine großen Summen sein – jeder Betrag hilft!

Vielen Dank und allen ein schönes Weihnachtsfest!
Hier noch ein paar Eindrücke der Geburtstagsfeier im Malayaka Haus vom 13.12.2015:

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29

Nov 2015

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Jahrespräsentation Malayaka Haus und Freunde e.V.

Wann: 23.01.2016, ab 19 Uhr
Wo: 4rooms, Täubchenweg (Leipzig,Reudnitz)

Du bist eingeladen einem besonderen Abend beizuwohnen! Im Dezember wird das Malayaka House in Uganda 10 Jahre alt. Und wir wollen feiern, gemeinsam mit dir! Am 23.1. 2016 findet unsere alljährliche Präsentation statt. In den Räumen des 4rooms im Täubchenweg in Reudnitz werden wir wieder ein buntes Programm zusammenstellen in dessen Mittelpunkt natürlich die Präsentation steht rundum alle Neuerungen und Entwicklungen 2015!

Neben Bildern, Videos, Infos kommt aber natürlich das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz. Also nehmt mit wen ihr könnt und lasst euch verzaubern von einer einmaligen Geschichte, erzählt von Menschen, die sich dem Abenteuer Malayaka Haus selbst nicht entziehen konnten und ihre Eindrücke schildern.

Weitere Infos gibt es auch auf unserer Facebookseite:
https://www.facebook.com/Malayaka-Haus-und-Freunde-eV-578412512221069/?fref=nf

 

18

Okt 2015

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Ruganda – Romys erstes ugandisches Wochenende im Malayaka Haus

Was für ein Wochenende! Es ist mein erstes Wochenende hier in Entebbe und aufregender hätte es wohl kaum sein können…

Die Kids hatten die Wahl, entweder sie kommen mit uns zur Early Learning School, um für die Kinder Spaghetti zu kochen oder sie spielen Fußball gegen die amerikanischen Soldaten (eigentlich sind es gar keine Soldaten, aber da sie irgendwie mit der UN in Verbindung gebracht werden, sagen hier alle Soldaten).

Also starteten am Samstag Mittag zwei Gruppen in ihr Abenteuer. Mit 20 Packungen Spaghetti im Gepäck und sämtlichem Kochzubehör ging es für uns in Richtung Markt, um noch frische Tomaten sowie 10 riesige Ananas zu kaufen. Der Marsch wollte kein Ende nehmen. Endlich angekommen, wurden wir alle mit offenen Armen empfangen. Beherzt packten alle mit an. Es wurde geschnitten, geholfen, gekocht, verteilt und gegessen.

Direkt im Anschluss wurde der neue Fußballplatz (dank Rico) präsentiert und gleich genutzt. Besonders im zweiten Spiel kam die Professionalität der Early Learning gegen unsere großen Mädels zum Vorschein. In einheitlichen Jerseys traten sie gegen verdammt gut gelaunte ambitionierte Mädels an. Jedes Tor, das auf unserer Seite verhindert werden konnte, wurde gefeiert. (Es waren nicht so viele ;-) Letztlich kamen alle zum selben Schluss, der Referee war geschmiert!

Leider war der Rückweg nicht viel kürzer. Dafür war die Zeit umso länger für wichtige Gespräche unter den Kindern, aber auch zwischen den Kindern und Freiwilligen. Am Abend haben die großen Mädels für alle Freiwillige gekocht und serviert. Und es gab nicht Reis und Bohnen, sondern gefüllte Chapatti! Daran kann ich mich gewöhnen :-)

Auch der Sonntag war nicht weniger erlebnisreich. Am Morgen habe ich mit 4 kleineren Kindern bunte Geburtstags-Muffins gebacken. Danach ging es mit zwei Bustransfers und insgesamt 44 Personen zum Swimming Pool im Beach Resort. Riesig habe ich mich gefreut, als ich 2 Kinder entdeckt habe, die bereits ein von mir genähtes Kleid und einen Rock anhatten. Umziehen mit den Massen an Kindern – das ging schneller als gedacht! Obwohl sich die Sonne mehr versteckte, sprangen die Kids voller Freude ins kühle Nass. So eine Geburtstagseinladung von Auntie Victoria lässt man sich schließlich nicht nehmen! Egal ob jung oder älter, jeder kam auf seine Kosten.

Das Wochenende verging viel zu schnell! Von nun an, läuft meine Uhr für Uganda schon rückwärts. Ich werde versuchen so viel wie möglich von diesem alltäglichen außergewöhnlichen Rhythmus aufzusaugen und mitzunehmen!

 

16

Okt 2015

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Ein ganz normaler Tag im Wahnsinn Malayaka Haus

Als sich die Augen das erste Mal öffnen tobt das Gewitter vor dem Fenster – Lichtblitze, tiefes Donnergrollen und ein peitschender Regenguss, der wie Hegel auf dem Boden aufschlägt und einen rhythmisch weckt. Als sich die Augen das zweite Mal öffnen herrscht gespenstige Ruhe, nur ein paar Kinder der Nachbarschaft mischen sich mit ihrem Geschrei unter die wenigen Tiergeräusche. Es ist undefinierbar spät, wie sich herausstellt kurz nach 11. Mal wieder lange geschlafen – diesmal gar zu lang, aber es ist Freitag und nicht viel liegt erstmal im Plan vor uns. Ganz anders der gestrige Tag. Dort klingelte gar der Wecker. Schon sehr früh, zumindest für Ferienverhältnisse, kam es zur zwangsläufigen Begegnung mit der kalten Dusche – ein Dauervergnügen zu jedem Tagesstart. Tony hatte eingeladen zu einer Tour auf unser Grundstück nach Kigungu. Seit letztem Jahr haben wir endlich einen Investor, der es uns ermöglicht für die nächsten 2 Jahre aus dem wilden Land eine Farm zu bauen.
Als wir das Land betreten staunen alle, die es noch nicht gesehen haben aufgrund der Größe – ich selbst staune, da es sich so verändert hat. Mehrere Häuser stehen nun endlich, ein großes Gewächshaus für die Fischteiche stehen, mehrere hohe Türme für Wasserkanister sind vorhanden, es gibt Strom und Licht, Solarzellen und Unmengen an Bohnen, die auf einem abgegrenzten Teil des Landes wachsen. Noch ist nicht alles betriebsfähig, aber es sieht verdammt lebendig aus und endlich nach großem Fortschritt in die richtige Richtung. Kigungu ist wild, reich an gutem Boden und voller Potenzial – ein klein wenig dessen, zeigt es uns heute.Auf dem Rückweg zeigt uns Tony noch sein zuhause und seine Familie – es ist ein ganz privater Einblick in das Leben unseres ugandischen Freundes und Helfers über die vielen Jahre hinweg.

Zurück im Malayaka Haus steht erstmal Ruhe an – dazu gehört es, den Nachwuchs zu pflegen. Und da gibt es jede Menge Neuigkeiten:
IMG_6745 (FILEminimizer)Zum Einen wäre da unsere Patricia: Zarte 2 Monate alt. Die ganze Woche ist sie bereits kränkelt in ihrem Zimmer, wo sie aufgrund ihres Untergewichts und anderer Beschwerden 24 Stunden überwacht wird. Tagsüber ist sie ruhig und schläft viel, nachts aber kann sie kaum schlafen und schreit sich alles Leid ihres frühen Lebens aus der Seele. Nach einer Woche Antibiotikum, dass sie aber eher aus dem Körper heraustrieb, als es aufzunehmen, scheint sie nun endlich wieder Hunger zu haben und es ist wohl auch diese kritische Phase der Krankheit überstanden. Ohne Frage ist sie für alle im Haus der große Star.

Und da wäre Arnold. Er ist jetzt gut ein Jahr bei uns. Kam, von der Polizei ausgehändigt, mit keinem Wort Englisch, doch von Anfang ein begeisterungsfähig. Arnold ist mittlerweile in der Schule und versteht alles, was man ihm sagt. Hier sendet er spezielle Grüße an Leo, der einen Spielplatz baute, den die Kinder mehr als zu schätzen wissen und ohne Ende lieben!
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Der nächste in der Reihe ist Alex – er ist erst seit ein paar Monaten da. Fröhlich IMG_6766 (FILEminimizer)spaziert er den ganzen Tag durchs Haus und muss schrittweise auch an Regeln gewöhnt werden. Noch geht er nicht in die Schule, doch sich ist das im kommenden Jahr eine Option für ihn. Alex ist mit den anderen Kindern noch unsicher und bevorzugt den Morgen, wenn nur er und die anderen Jünglinge im Haus die volle Aufmerksamkeit aller bekommen.

Am Nachmittag geht es dann zur EWAD-Schule. Dort kommt es zum Teil 2 des Briefprojektes. Briefe, Geschenke und gemalte Bilder werden übergeben und es funkeln erneut die Augen voller Spannung, Aufregung und Vorfreude. Als alles wie immer viel zu schnell vorbei ist, darf sich Romy noch dem aktuellen Frisurtrend in Uganda unterziehen. Immerhin bei ihr bleibt es nachhaltig erhalten, selbst auf ihrer ersten Boda-Fahrt, also dem ortstypischen Motorrad-Taxi. Ich selbst habe jahrelang immer nur Beschwerden erhalten, mein Haar sei zu dünn.

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Am Ende eines langen Tages gibt es zur Belohnung Pizza in der Pizza-Nacht. Dazu interessante Gespräche mit Leuten aus aller Welt, die interessiert den Geschichten aus dem Haus lauschen und zugleich selbst viel aus dem eigenen Leben zu erzählen haben. Denn auf den Bänken der Pizza-Nacht verbinden sich die Schicksale von Menschen aus aller Welt in unterschiedlichsten Sprachen.
Der Wahnsinn Malayaka Haus hält weiter an seiner faszinierenden Wirkung fest und lässt nicht locker. Man ist gefangen zwischen Stolz und der Suche nach Erklärungen, wie sich alles entwickelt und wie man selbst Schritt hält in einer Welt, die sich derart rasant dreht, dass man beim erzählen gar nicht wirklich hinterher kommt.
Morgen ist Halbzeit und somit erstes Wochenende hier: Wie gewohnt ist jede Minute verplant für unheimlichste Aktivitäten – ihr dürft gespannt sein, wenn es die nächsten Zeilen gibt – dann zum Verlauf der kommenden Tage mit reichlich Wochenendbelohnung für groß und klein :)

 

14

Okt 2015

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Wenn große Augen auf liebevolle Zeilen treffen

Es ist ein ganz normaler Tag im Paradies. Nach einer unruhigen Nacht schlafen die Hunde gesellig im Haus und im Hof. IMG_6656 (FILEminimizer)Die Sonne scheint nach nächtlichem Regen und in einem der zahlreichen Zimmer kämpft ein kleines Baby weiter ums Recht zu leben und gegen Nebenwirkung der Medizin, die sie mehr ausscheidet als einnimmt. Die anderen Nachwüchslinge des Hauses, Georgie, Alex, Dave und in gewisser Maßen auch Carola Tochter Promise genießen den Tag spielend, Milch trinkend oder sich von unseren Freiwilligen verwöhnen lassend. Es wird geschneidert, Unterricht geplant, gespielt und die Nachwehen der Pizza-Nacht beseitigt. Mit rund 20 zufriedenen Kunden war es eine ruhige Nacht. Aber nach 7 monatiger Wartezeit ein Wohlwollen die beste Pizza der Welt in Händen zu halten :)
Auch Romy hat mittlerweile erste Ergebnisse ihrer Arbeit erzielen können und Model Mercy darf gleich die erste sein, die neue Ware und neue Mode beziehen darf. Nach kritischen Blicken zunächst bei der Vorstellung unseres Vorhabens sind nun nach erster Begutachtung die ersten Bestellungen und Aufforderung des gemeinsamen Anfertigens eingegangen – unsere Arbeitsbienen im Haus sind also vom Fieber des Nähens angestachelt – ein voller Erfolg!
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Es war wie ein Geschenk nach einem langen Tag. Doch ein Tag voller märchenhafter Freude. Der Besuch in der Early Learning stand an. Sie ist quasi durch das Briefprojekt mit meiner Grundschule in Leipzig Partnerschule unseres Vereins. Wie diese Woche noch festzustellen ist, gibt es mit der EWAD-Schule noch Partner Nummer 2.
Die Early Learning hat sich verändert. Der Umzug vor einiger Zeit bedeutete ein Aderlass an Schülern. Es sind nur noch 110 Kinder. Daher war das Sachen verteilen auch deutlich geordneter im Ablauf als sonst. Die Augen, in die man sehen darf, die einen anstarren und aus denen eine ungeahnte Dankbarkeit hervorsprießt, sind von nachdrücklicher Begeisterung umgeben.
Die Schule hat sich aber äußerlich geändert, wie auf den Fotos zu erkennen ist. Es ist farbenfroher, ein Spielplatz zäumt das Gelände und lässt die Kinderherzen hüpfen, ein Fußballplatz ist vorhanden und ein Rasen wird gesät. Fast alles geht auf die Hilfe eines Mannes zurück, der erst dieses Jahr hier war. Als der Name Ricos erwähnt wird, ein Freiwilliger, der u.a. auch im Malayaka-Haus aktiv war (man kann auf unserer Seite seine Blogeinträge verfolgen), ist die Begeisterung groß. Rico hat viel hinterlassen und ist weiterhin aktiv. So durfte ich gesammelte Spenden für neuen Sand übergeben, der auch prompt geliefert wurde.

Der Höhepunkt ist immer wieder die Übergabe der Briefe. 2 Klassen in dieser Schule, 2 andere in der EWAD. So waren es gestern rund 80 Briefe, die übergeben wurden. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl mit welch banalen Dingen man diese zu tiefste dankbaren Kinder unheimlich glücklich machen kann. Und zu verdanken ist dies anderen Kindern im selben Alter, die diese Kinder nur durch Erzählungen kennen und leider gar nicht dabei sein können, wenn ihre Zeilen bei anderen Menschen tiefste Gefühle von Demut, Dankbarkeit und Glückseligkeit hervorrufen. Es sind Momente des Glücks, die auch ihr spüren könnt, wenn ihr genau in die Augen dieser Kinder seht in dem Moment als sie ihre Briefe erhalten:

 

13

Okt 2015

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Eine neue Zeitrechnung hat begonnen

Der Moment, indem man nach 9 Stunden Flug aus dem Flieger tritt und diese Luft einatmen darf, die einem den Willkommensgruß auf die Stirn legt, ist stets unbeschreiblich. Die ersten Meter auf ugandischem Boden inmitten der Nacht und dann die 8 Taschen nach draußen tragen ins Auto, Fenster runter und ab geht die Fahrt durchs dunkle Entebbe. Wie oft ist man diesen Weg nun schon gefahren, wie gewohnt ist alles und dennoch wie aufregend. Neben mir sitzt Romy und dennoch weiß ich nicht, wie aufgeregt jemand ist, der dies alles zum ersten Mal sieht.

Als wir am Tor ankommen, bricht der Wahn förmlich aus den Hunden – zu viel Aufregung wohl zu später Stunde und siehe da – mal wieder ein neuer: Skipper. Voller Freude empfangen uns die Vierbeiner, es ist gegen 4 Uhr morgens. Schnell geht daher der Weg ins Bett und die Nervosität steigt vor dem großen Wiedersehen. Am kommenden Morgen, zum Sonntag, ist die Überraschung groß und nach langen Umarmungsszenarien geht die wilde Fahrt los.

Mittlerweile ist Dienstag. Seit zwei Tagen steht die Maschine nicht still. Alles wird beobachtet, vieles hinterfragt, einiges sofort angepackt. Doch zunächst wiegen die Eindrücke der Veränderung:
Haus 5 und 6 sind bereit für den Umzug – die Pizza-Nacht soll Ende des Jahres hierher kommen. Der Ofen steht schon, die Bänke sind bereit, die Wege mit neuen Maschinen baustellengerecht gepflastert. Ein Blick rüber zu Haus offenbart Leos große Leistung: Ein neuer Spielplatz – höher, besser, gefährlicher, aufregender.
Doch über allem steht eines: 5 neue Kinder. Insbesondere Baby Patricia ist die Attraktion, wenn auch aus zweifelhaften Gründen: Mit ihren bald 2 Monaten wiegt sie gerade mal 3000g und kämpft täglich einen neuen Kampf ums Überleben. Hat sie auch das gröbste überstanden, ist jede Krankheit ein weiterer Gefahrenherd. Neben ihr sind Alex und Dave neu. Die beiden kannte ich noch nicht. Dave ist noch nicht ganz ein Jahr, Alex bereits ungefähr 3. Beide auf ihre Weise ganz besondere Goldstücke.
Und natürlich Arnold und Georgie, die beiden, die bereits letztes Jahr zu uns stießen. Alles in allem darf man sagen, es bricht eine neue Zeit an, in der wieder neue Kinder zu uns stoßen.

Doch auch der Garten bekommt Nachwuchs.Derzeit versuchen wir uns an organischer Selbsternährung. Es wird viel mit unterschiedlichen Typen von Früchten und Gemüse experimentiert, um herauszufinden, welche Art am effektivsten ist.

Romy hat sich eingefunden und arbeitet bereites intensiv mit den Näherinnen zusammen, um neue Arbeitswege zu ergründen. Ich sitzet wie so häufig mit den Freiwilligen und entwickle Arbeitspläne und Strategien, möglichst alles unter einen Hut zu bekommen. Es ist wie immer aufregend, intensiv, ermüdend, erbauend und euphorisch.
Es ist Mittagszeit und danach brechen wir auf erstmals zur Early Learning – die Schule, an der wir die Briefe der Kinder der 78. Grundschule übergeben werden.

Doch ändern sich auch noch tausend Dinge rundum das Haus und Entebbe – eines bleibt gleich: Wenn die Stille einkehrt, die Nacht sich über das Haus und die Stadt legt und man sich treiben lässt, kann man tief hineinblicken in die afrikanische Seele, die sich wie eine schützende Decke über das Antlitz des Malayaka Haus legt und unseren Kindern den wohlverdienten nächtlichen Frieden schenkt.

 

03

Okt 2015

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Neue Herausforderungen

Seit Februar sind 8 Monate vergangen. Längst wird es also Zeit wieder den Weg zum Flughafen anzutreten und sich auf die weite Reise ins Glück zu machen. Im Gepäck sind wieder die üblichen Waren: Sachen und Spiele für die Kinder, Briefe für das Schulprojekt und kleine Geschenke für besondere Menschen, die mehr als jeder andere eine kleine Aufmerksamkeit verdienen als Zeichen des Dankes. Aber da ist noch mehr, denn auch diesmal Fleige ich nicht alleine. Jede mitgebrachte Person war auf seine Weise etwas Spezielles und doch ist es nun anders, denn nachdem sich mein eigenes Leben so rasant verändert hat mit Umzug, neuer Familie und neuen Aufgaben, kommt nun die Person mit, die dafür hauptverantwortlich ist. Mit sich trägt sie die bekannten Ängste und Unsicherheiten, die sich Schritt für Schritt abbauen werden und es ist immer wieder faszinierend diesen Prozess zu begleiten, den man selbst einst durchmachte und den man bei so vielen beobachten durfte.

Doch auch vor Ort hat sich vieles getan. Mittlerweile sind es in einem Jahr 5 neue Kinder, das Jüngste gerade erst 11/2 Monate alt und gut 1.5 kg schwer. Patricia ist der neue Stern am Malayaka-Himmel und ungesehen erfährt man bereits jetzt, dass sie aufgrund ihres Alters und dem Überlebenskampf viel Raum im Alltag des Hauses einnimmt. Mit der Aufnahme neuer Kinder verschiebt sich der Fokus, ein wenig weg vom Businessbereich, hinzu den Kindern und deren grundsätzlichen Bedürfnissen.
Doch auch alle anderen Bereiche sind entwickelt. Inwiefern werde ich bzw. werden wir ab kommende Woche sehen. Zuletzt wurden Solaranlagen und neue Wassersysteme installiert. Sowohl unser Grundstück in Kigungu, als auch die neuen Projekte Zahnarztklinik und Erweiterung der Pizzanacht zu einem täglichen Business sind im Gange und man darf gespannt sein, was sich getan hat.

Die letzten Koffer werden diese Woche gepackt und wird der Flieger in gut 8 Tagen genau dort landen, wo mitten in der Nacht das Leben in ganz anderen Rhythmen schlägt, die stickige Luft einem den Atem zunächst abschnürt, um dann am Folgetag seinen afrikanischen Seelenbalsam über einen zu legen und wenn man es schafft sich treiben zu lassen im Sud der Fremde, so wird man vielleicht gerade erholt, dafür geerdet und runderneuert zurückkehren.

Seid gespannt auf neue Eindrücke, Fotos und Entwicklungen aus Entebbe!
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